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Steliza und ihre Geschwister

Ein wunderschöner Spätnachmittag auf der Insel Chalki, fast schon Sonnenuntergang, ein Licht aus warmen Farben und im Hintergrund das tiefblaue Meer. Ein Abendspaziergang, wie immer, ein Rundgang, durch den Ort, dann über den Höhenweg Richtung Friedhof, Richtung Pondamos. Oben bei den Schafweiden bleiben wir eine Weile stehen, um den Ausblick zu genießen. Plötzlich hören wir ein leises Piepsen. "War das was ?" hm. Das Piepsen wird hörbar stärker, fast ein flehendes Piepsen, immer lauter. Wir schauen uns um. Sehen die Schafe auf der Weide, sonst nichts. Dann auf einmal kommt ein winziges buntes Kätzchen auf den Weg gelaufen, miaut, schreit, ruft, als ob es ums Leben ginge. Kurz darauf ein rot-weiß-buntes Kätzchen und dahinter ein winziges Etwas, völlig entkräftet, kann sich kaum noch auf den Beinen halten, ein rot-weißes Katerchen. Alle schreien, maunzen, schauen uns an. Da muss es doch eine Mutterkatze geben, warum laufen die Drei einfach so alleine herum, sie sind so winzig, vermutlich erst 3 -4 Wochen alt, wenn überhaupt. Wir suchen das ganze Areal nach der Mutterkatze ab. Die Kleinen laufen uns hinterher, klettern an unseren Beinen hoch. Was tun ? Keine Mutterkatze zu sehen. Vielleicht ist sie gerade auf Beutejagt, aber dann würden die Kleinen doch nicht einfach alleine aus dem Versteck laufen. Alles ist sehr merkwürdig. Aber was ist zu tun ? wir können sie doch nicht einfach mitnehmen. Sie sind viel zu klein, um ohne Mutter aufzuwachsen, schon fast verhungert, können kaum noch laufen, völlig erschöpft.


 

 

 

 

 

Vermutlich hatten sie sich mit letzter Kraft an uns gewagt, weil sie so hungrig und durstig waren, schutzlos einfach ausgesetzt. Wir müssen nachdenken, handeln. Was ist, wenn wir sie mitnehmen und es gibt doch eine Katzenmama. Dann tun wir Unrecht. Besser wäre es, ihnen hierher Futter zu bringen, damit sie überleben. Aber was ist in einer Woche, wenn wir zurück fliegen ? Was ist, wenn es keine Katzenmama gibt und wir sie dort lassen ? Dann sind sie vermutlich in den nächsten Tagen tot. Ohne regelmäßige Nahrung und Wasser überleben sie nicht mehr lange. Sie sind nicht menschenscheu, das wundert uns. Normalerweise sind die Chalki-Katzen doch eher scheu. Ob sie doch vorher bei Menschen lebten, die sie jetzt einfach ausgesetzt haben, um sie zu entsorgen ?


Wir telefonieren an Ort und Stelle nach Deutschland mit den Besitzern unseres Feriendomizils, dort werden regelmäßig einige Katzen  am Haus gefüttert. Fragen, ob wir die Kleinen ggf. mit ans Haus nehmen dürfen. Ja, natürlich. Das wäre geklärt.
Nein, wir lassen sie jetzt erst mal hier, holen Futter und kommen wieder. Dann sehen wir, ob eine Mutterkatze da ist. Wir gehen los. Die Kleinen rennen hinter uns her, wir können es nicht verstehen. Solch ein Verhalten spricht dafür, dass es keine Mutter gibt. Der kleine rot-weisse Kater ist nach ein paar Metern völlig erschöpft, er fällt um, kann nicht mehr laufen. Das bringen wir jetzt nicht mehr übers Herz. Auf Händen tragen wir die 3 Kätzchen zum Haus. Über einen Kilometer weit. Sie lassen es zu und wehren und rühren sich nicht. So ein Häuflein Elend. Gerettet !
Am Haus angekommen gibt es einen notdürftigen Platz zum ausruhen in einem Korb mit Handtuch. Eine Schale Wasser, etwas Sahne und klein zerdrücktes Katzenfutter. Erst wenig, denn die Kleinen schlingen es nur so rein. Vorsichtig, wer weiss, wie lange sie schon hungern. Danach werden sie erst mal begutachtet. Augen und Nase sind verklebt und verkrustet, das Fell schmutzig und ruppig, verklebt. Sie haben wohl nicht gelernt, sich zu putzen. Mit feuchten Tüchern säubern wir vorsichtig Augen, Nase, Ohren und Fell. Sie genießen es, schnurren. Provisorisch bauen wir ihnen eine Katzenkiste mit Sand und Erde. Die anderen Katzen kommen neugierig vorbei, sind über den Nachwuchs nicht sonderlich erfreut, akzeptieren ihn aber. An der Hausseite befindet sich eine Hundehütte, zum Schutz für die Katzen, einen Hund gibt es nicht. Da wollen wir es den Dreien gemütlich machen. Ein Korb, eine Decke, Wasserschüssel, Futter und in der Nähe die Katzen-Sand-Kiste. Damit haben die anderen Haus-Katzen jetzt kein Problem mehr.

Wir haben noch 7 Tage Urlaub. Dieser ist nun geprägt von der Kätzchenaufzucht. Regelmäßiges Säubern von Augen, Nase, Fell. Füttern, spielen. Wir sind jetzt die Bezugspersonen. Sobald wir morgens wach sind, rufen die Kleinen, und sobald wir schlafen gehen, tun sie es auch. Wenn wir weg gehen, bringen wir sie in die Hundehütte, da bleiben sie, bis wir wieder kommen.

Aber die Kleinen sind krank, haben Würmer und Flöhe. Zum Glück gibt es einen kleinen Vorrat Katzenmedizin. Viele Telefonate nach Deutschland zum Tierarzt wegen der Dosierung bei diesen Winzlingen. Wir haben zwar nicht das richtige Medikament, aber besser, als nichts. Wir improvisieren. Es ist schwer, ohne Katzenmama, ohne Kätzchen-Aufzuchtfutter, zwischenzeitlich glauben wir, es nicht zu schaffen.
Es kommt, dass sie nacheinander schwächer werden, Fieber, Erbrechen, Durchfälle. Die kleine Steliza hat einen stark aufgeblähten Bauch, ist völlig schwach und frisst nicht mehr. Wir geben ihr Wasser mit einer Spritze direkt ins Mäulchen, immer wieder, sie hat hohes Fieber, zittert und jammert. Fast 12 Stunden liegt sie in unseren Händen. Dann hat sie sich erholt, sie will wieder mit den anderen spielen, frisst und trinkt. Die andern Beiden erkrankten nicht so schwer.

Für die Zeit unserer Abreise ist auch schon die nächste Unterkunft ausgemacht. Eine Katzenfreundin reist an, wir dürfen die Kätzchen am Vorabend der Abreise an ihr Haus bringen. Diesesmal tragen wir sie in der Box durch den Ort bis and ans andere Ende, lassen sie im Garten frei, füttern sie und verabschieden uns schweren Herzens. Hier werden sie weiter versorgt und werden es gut haben. Aber ein ungewisses, trauriges Gefühl bleibt zurück. Ob sie nach Deutschland kommen oder auf der Insel ein artgerechtes Leben führen dürfen? Wir können sie leider nicht mitnehmen. Für die noch sehr schwachen Kätzchen wäre die Reise zu beschwerlich. Wir schätzen ihr Alter auf ca. 4 Wochen. Sie müssen erst gesund werden. Der Abschied fällt unendlich schwer. Auch für die Kätzchen.
Wenige Wochen später erfahren wir, dass es ihnen gut geht. Die kleine Steliza kommt zuerst nach Deutschland. In einen Mehr-Katzen-Haushalt. Der Wirbelwind mischt die Katzenhierarchie ordentlich auf.
Und kurz darauf kommen auch die beiden anderen nach Deutschland. Sie haben ein schönes zu Hause am Berliner Stadtrand gefunden. So eine lange Reise: Schiff, Taxi, Flugzeug, Auto und dann noch die Bahn nach Berlin. Da dürfen sie jetzt bleiben.
Die 3 hatten viel Glück - stellvertretend für viele andere, die es nicht schaffen - Und wir ? Zur richtigen Zeit am richtigen Ort und die richtigen Umstände, um 3 Kätzchen zu retten !


Für Steliza, Philippi und Roxy (so heißen sie jetzt)

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